Rundgang 2010

Haltung der Klasse Güdemann zum Rundgang 2010

 Wir haben uns als Klasse darauf geeinigt, nicht auszustellen, da wir die Einschränkungen als restriktive Maßnahmen gegen unsere künstlerische Arbeit und Ausstellungskonzeption empfinden und zeigen uns damit solidarisch mit den Klassen, die ihre Projekte nicht ausstellen können.

Zumindest werden wir keine Einzelarbeiten zeigen. Wir lassen unsere Ateliers geschlossen und gestalten gemeinsam einen Raum (401b) zum aktuellen Thema.

Seit dem ersten Rundgang im gesamten Altbau vor 14 Jahren bestehen laut Auskunft der Verwaltung die Regelungen, die auch jetzt befolgt werden sollen. Sie werden aber jetzt anders ausgelegt, so dass der „Rundgang“ stark reglementiert wird, was von vielen Studierenden als Zensur verstanden wird.

Bisher wurden z.B. dreidimensionale Arbeiten auf Fluren und im Treppenhaus ausgestellt. Es wurden ebenfalls Zeichnungen und Bilder in den Treppenhäusern ausgestellt. Im Foyer dritte Etage hat die Klasse Hewel/Grunert jedes Jahr eine große Tafel eingerichtet. Dort trafen sich Besucher und Studierende zum Essen und zu interessanten Gesprächen. In den Vitrinen in der dritten und vierten Etage wurde ausgestellt. Sie müssen nun entfernt werden. Vor der Medienwerkstatt wurden Videoarbeiten gezeigt, das wird nun ebenfalls verboten.

Daß wir für eine Ausstellung in der Kunstakademie, an der wir frei in der Wahl unserer künstlerischen Mittel und Materialien arbeiten können, eingeschränkt werden, zumindest insofern wir diese Arbeiten in der Ausstellung zeigen möchten, bedeutet einen Riesenschritt zurück in Richtung einer akademischen Ausbildung, die mit der Situation der zeitgenössischen Kunst nicht vereinbar ist.

Die kurzfristig bekannt gegebenen Restriktionen verursachen einen hohen Kostenaufwand (Spedition für die  Einlagerung der Materialien, Tische aus den Ateliers, temporäre Brandschutzanlage), den wir so nicht einfach hinnehmen können. Wir stellen uns die Frage, wie diese Kosten aufgebracht werden können. Das alles könnte auf uns zurückfallen: Kürzungen bei Exkursionen, Materialien, Nutzbarkeit der studentischen Arbeitsräume. Es muss eine andere Lösung für den Rundgang her, aber in so kurzer Zeit lässt sich dies nicht befriedigend umsetzen.

Wir argumentieren nicht allein aus Sicht unserer Klasse, sondern im Hinblick auf den gesamten Rundgang.

Wir glauben nicht, dass die X-Aktion den gewünschten Effekt haben wird, bzw. die richtige Nachricht transportieren wird. Denn wenn viele ausstellen, werden diejenigen, deren Arbeiten zensiert werden, kaum auffallen. Deshalb würden wir es begrüßen, wenn alle Klassen einen Weg finden, ein deutliches Zeichen zu setzen.