Beteiligte KünstlerInnen

Cordula Güdemann

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Grenzen des Wachstums,

unter diesem Leitgedanken wurde besonders durch den Club of Rome eine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen und Folgen des wirtschaftlichen Wachstums auf die natürliche Umwelt des Menschen eingeleitet. Dazu führte eine Gruppe von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute for Technology (MIT) um Dennis L. Meadows (* 1942) eine Studie im Auftrag des Club of Rome durch, die 1972 unter dem Titel »Die Grenzen des Wachstums« veröffentlicht und in 29 Sprachen übersetzt wurde. Zur Vermeidung zukünftiger Katastrophen wurde deshalb vom Club of Rome eine freiwillige Begrenzung des industriellen Wachstums und eine Umorientierung zu einem qualitativen Wachstum mit mehr Lebensqualität empfohlen. Zitat: Bundeszentrale für politische Bildung

Wir wissen heute, dass in den fast 50 Jahren seither so gut wie keine Empfehlungen aus diesem Bericht befolgt wurden. Unsere Lebensweise könnte man eher als „Titanicsyndrom““ bezeichnen:

Auf der Titanic haben zum Zeitpunkt der Kollision nur sehr Wenige den Ernst der Lage erkannt, aber es hätten wahrscheinlich fast alle Menschen gerettet werden können, wären gleich nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg in aller Ruhe gezielte Maßnahmen gesetzt worden – falls überhaupt genügend Rettungsboote vorhanden waren! Zu einem Zeitpunkt wo in den Zwischendecks die Menschen schon ertranken, ging das Tanzen in den Luxusdecks weiter—bis zum Untergang.“ (Jean Ziegler).

Inga Andguladze-Zrener

Unsichtbarer Müll

Uns begleitet das Thema Klimawandel tagtäglich, eine schiere Informationsflut über Waldbrände, Überschwemmungen, Bedrohung der Artenvielfalt, Schädlichkeit von Monokulturen und Fleischkonsum gehören in das alltägliche Nachrichtenrepertoire. Der Klimawandel ist daher nicht nur ein abstrakter Begriff, sondern eine Sammlung der bitteren Tatsachen, die unsere Existenz und Lebenswertigkeit unseres Planeten Erde bedrohen und – genauer gesagt – unsere bisherige Lebensstilvorstellung in Frage stellen. Um den Klimaschutz als Problem anzuerkennen, sollte man sich auf folgende Aspekte einigen: Es gibt den Klimawandel, wir sind diejenigen, die darauf reagieren sollten, als Mitglieder dieser Generation, unsere Pflicht ist der Klimaschutz, also die Reduktion von Emissionen und die Erhaltung der Naturgebiete mit möglichst wenigen Schäden. Bruno Latour zeigt in seinem Terrestrischen Manifest, welche Stellung Ökologie mittlerweile im Alltag erworben hat, dieser zeige eine eindeutige Tendenz, dass „[…] alles – vom Rindfleisch über die Haie, die Feuchtgebiete, den Mais, die Pestizide, den Diesel, den Urbanismus oder die Flugplätze bis zum Klima – zum Thema einer lebendigen Kontroverse zu machen, so dass jedes materielle Objekt eine »ökologische Dimension« gewonnen hat.“ Das Verständnis von diese „ökologische Dimension“ sollte uns konfrontieren bei unseren Konsumentscheidungen. Wir sind ziemlich gut Informiert welche klimaschädliche Wirkung Konsum von bestimmten Lebensmitteln oder Führung bestimmter Lebensstiel verursachen kann, denn die Bild- und Video Aufnahmen von Schlachthöfen, verschmutzte Ozeanien oder Öltankerkatastrophen begleiten uns tagtäglich.

Dennoch gibt es bestimmte Konsumbereiche, die wir intensiv tagtäglich nutzen, und nur wenige von uns denken darüber nach, welchen Schaden wir dadurch erzeugen können. So ein Bereich ist die Nutzung von Online Ressourcen. Wir konsumieren ununterbrochen verschiedene Streaming- und Social-Media-Plattformen, Chatträume um wichtige und banale Informationen miteinander zu teilen, mit unzähligen Emojis, ohne dabei groß zu hinterfragen, wie klimaschädlich diese ganze Interaktion, die wir teilweise aus Langeweile oder auch aus Notwendigkeit treiben, ist. Sowohl große Unternehmen als auch private Konsumenten verursachen tagtäglich mit ihrem Datenkonsum unsichtbaren Müll. Sinnlose Archivierung von Daten nimmt verschiedene Energieressourcen in Anspruch und erzeugt eine schlechte CO2- Bilanz.

In meiner künstlerischen Arbeit möchte ich mit Hilfe von handfesten Fakten, wie unser täglicher Konsum von Onlineressourcen den Klimawandel begünstigt, unterschiedliche Gefühlsebenen treffen. Mein Ziel ist, dass die Betrachter ihre Konsumverhaltensmuster bezüglich Onlineressourcen reflektieren, die Gesamtdimension ihres Handelns erkennen und vielleicht auch ihr eigenes Konsumverhalten hinterfragen. Die künstlerische Darstellungsform habe ich momentan noch nicht ganz genau festgelegt, ich möchte mit unterschiedlichen Hilfsmitteln wie Text, Gesprächen und Objekt im Raum arbeiten.

Fabian Holzwarth

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Blickt man abseits der Corona Pandemie in die Welt, stellt sich die Frage, was kann denn noch kommen? oder was wird wohl unser Leben jemals noch mehr beeinflussen, verändern und auf den Kopf stellen?

Ich glaube es werden wieder die „alten“ neuen Themen sein. Denn Corona ist nur ein weiteres Symptom einer dahinter liegenden Problematik. Denn am Ende sind, meiner Auffassung nach, all die drängenden Aufgaben unserer Zeit damit verbunden wie wir unsere Umgebung, unser Fundament – die Erde - wahrnehmen, behandeln, wertschätzen und erhalten. Und dies hängt wesentlich von unserem Verständnis ab, wie wir die uns umgebenden Ressourcen verwenden und nutzen, schlussendlich wie wir wirtschaften. Und hier steht der Kapitalismus in seiner heutigen Form. Dieser Verursacht klimatische Veränderungen in einer sehr kurzen Zeitspanne, eine immer größer werdende Differenz zwischen Arm und Reich, die jetzt schon in absurden und krankhaftem Ausmaß sichtbar ist. Zusätzlich verantwortet er globale Fluchtbewegungen, sei es wegen Krieg, Vertreibung oder dem Ausbeuten der natürlichen Ressourcen. Oder diese Flucht beruht auf unmöglichen wirtschaftlichen Bedingungen, der Hoffnung auf ein besseres Lebens oder schlicht und einfach wegen dem Klimawandel – noch nie waren so viele Menschen weltweit auf der Flucht. Alles ist zur Ware geworden, alles besitzbar und in Privateigentum überführbar – schlussendlich unsere gesamte Existenz als Spezies.

Künstlerisch ist diese unfassbare Themenvielfalt für mich nur über verschiedene Ansätze möglich und selbst hier wird nur ein Skizzieren einzelner Aspekte möglich sein. Daher ist ein Ansatz eine Fotoserie, die sich mit dem Kohleabbau in Deutschland beschäftigt und dessen Erweiterung auf noch bewohnte Gebiete in Deutschland.

Gina Pantic

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Im Prozess: Abgebrochene Zelte / Hin und wieder zurück

Wie hängt das alles zusammen? Wenn ich etwas kaufe, mache oder vielleicht auch nicht mache. Was bedeutet das an einer anderen Stelle der Welt? Welche Konsequenzen zieht mein Handeln nach sich? Und die Gegenfrage; kann speziell mein Handeln überhaupt etwas beeinflussen? Es gibt Tage, da scheint alles über einen hereinzubrechen, die vermeintlich volle Intensität der grundlegenden Krise in der sich unsere Welt befindet und damit einhergehend auch jeder ihrer Bewohner, an diesen Tagen scheint die Last unendlich. So unendlich, dass man ihr schier nicht standhalten kann. Da ist eine Hoffnungslosigkeit die sich breit macht. Eben jenes Gefühl soll mein Projekt später repräsentieren: die von allen Seiten einströmenden Informationen, die hässlichen Wahrheiten und Halbwahrheiten, die täglich auf uns einprasseln und die Ohnmacht, die manchmal folgt. Vor allem aber den Moment, der daraus hervorgehen kann: den Moment der wütenden Entschlossenheit und die neugeschöpfte Kraft standzuhalten, weiterzumachen, sich zusammenzuschließen und zu tun was man tun kann.

Vom Konsum in die Konsequenz und wieder zurück. Dieser Gedanke soll begehbar werden, und dann präsent bleiben.

Jinjoo Lee

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In meinen Werken handelt es sich um meine Kritiken an unserer aktuellen Gesellschaft. Die Themen sind z.B. Massentierhaltung, Umweltverschmutzung und die heutigen Gesellschaftssysteme. Wie die Menschen die Tiere und Natur ausbeuten, stelle ich in meinen Bildern ironisch, übertrieben und zum Teil unverständlich dar. Denn sie sollten so auf den Menschen einwirken, wie die aktuelle Gesellschaft ist.

Die inhaltlichen Aspekte treffen auf Elemente aus fremden Kontexten, die häufig einen starken Kontrast bilden. Dadurch sollten die Bilder häufig wie ein “Bild im Bild” erscheinen und wie rätselhafte Spiele zwischen Realität und Fiktion wirken. Dieses “Bild im Bild” greife ich als formales Konzept seriell in vielen meiner Arbeiten auf.

Arthur Metz

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Verschmutzte Landschaften
Die Impressionisten haben die schönen Dampfvoluten der Lokomotiven gemalt; die Futuristen, die Kraft und die Geschwindigkeit der Autos; die Expressionisten, die Hölle der Fabriken und deren Produkte.
Und der Maler des 21.Jh, von alldem erbend? Meere von grautrüben Luftmassen, Feinstaubnebel dick wie Wasser, aus denen gespenstige Silhouetten herausragen… hier in Stuttgart, da in China, herüber in Cairo.
Uns ist die Schönheit des Hässlichen nicht eingefallen; sie wurde uns aufgezwungen — und zwar beim Fenster aufmachen.

čiresnya

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Das Computerspiel One, Two, No Tree! thematisiert die Abholzung des osteuropäischen Urwaldes durch ausländische Firmen wie Kronospan und Schweighofer.
Wo vor einiger Zeit noch bis zu 400 Jahre alte, zum Welterbe und Natura 2000 gehörende Waldstücke waren, finden sich nun Wüsten aus Baumstümpfen: Ökosystem und CO2-Speicher gehen verloren, während Firmen wie IKEA sich als grüne Unternehmen ausgeben.
Ein großer Teil des im europäischen Urwald illegal erwirtschafteten Holzes wird zu billigen Möbel verarbeitet. Dieser Prozess wird durch ein korruptes System vereinfacht, welches rechtskonforme Holzverarbeitung unmöglich macht. Aktivist:innen, Kritiker:innen und Journalist:innen werden bedroht, bestraft und im schlimmsten Fall ermordet.

Im Spiel befindet man sich als illegaler Holzfäller im Urwald und hat die Aufgabe, alle Bäume zu fällen. Dabei muss man aufpassen, dass der Journalist einen nicht erwischt.
Hat man das Ziel erreicht und es sind keine Bäume mehr übrig, gewinnt man das Spiel. Als Belohnung erhält man unterschiedliche Preise, beispielsweise einen virtuellen IKEA-Stuhl.
Der Stil des Spiels ist montageartig. Gemalte Hintergründe treffen dabei auf 2- und 3d-Animationen und werden von einer eigens für das Spiel kreierten Soundkulisse begleitet. Ab Ausstellungseröffnung kann das Spiel vor Ort und auf der Website der Gruppe, ciresnya.org, gespielt werden.

Eine Arbeit von Gabriella Bakos, Chris Binder, Dana Kast, Paulina Lange und Michelle Mousavi

Frank Orth

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Zu Beginn dieses Projektes haben wir uns in der Gruppe Fragen zum Klimawandel gestellt.

Unter Anderem war der Ausgangspunkt, den Konsum und die freie Markwirtschaft zu hinterfragen und welche Auswirkung dies auf den Klimawandel hat. Auch der Umgang mit der jetzigen Pandemie wirft einige Fragen auf. Die bisherige Impfstoffverteilung wird weitestgehend über den freien Markt geregelt. Aber ist Geld wirklich immer das beste Mittel, wenn es um die Verteilung überlebenswichtiger Güter geht? So werden auch Wasser und Nahrungsmittel knapp. Etwa jeder Zehnte auf dieser Welt leidet an Hunger und trotzdem werden in reichen Industriestaaten wie der EU Nahrungsmittel in jeden Verbrennungsmotor getankt, um nationale und europaweite CO_2-Ziele zu beschönigen. Doch durch das fließende Geld werden Regenwälder in ärmeren Ländern vernichtet. Global ist dies eine ökologische und humanitäre Katastrophe ungeheuren Ausmaßes. Der Klimawandel kann nur durch globales Denken aufgehalten werden. Diese Recherche dient dazu, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) der EU transparenter zu machen und bringt einen Widerspruch hervor, der wohl kaum Beachtung gefunden hat.

Die künstlerischen Arbeiten werden Texte und Zeichnungen, Malereien und Fotografien beinhalten.

Auch inhaltlich wird an die Recherche über den sogenannten Biosprit angeknüpft und das Transportwesen weiter hinterfragt. Doch es sollen ebenso Lösungen dargestellt werden. So könnte eine globale Demokratie mit Grundrechten in Betracht gezogen werden. Jeder Mensch sollte ein Recht auf Güter wie Wasser und Nahrungsmittel haben. Denn wir teilen uns diese Erde und niemand sollte mit den Mitteln das Geldes weder Natur noch Mensch ausbeuten und verdrängen dürfen.

Alessia Schuth

Deconstructed reef shadow 2021
Deconstructed reef shadow 2021
Deconstructed reef shadow 2021

Wir kennen alle die Bilder von Plastikschwämmen oder ganzen Inseln im Ozean, Tiere, die sich im Müll verfangen und dort verenden. Das Plastik die Umwelt belastet, ist keine Neuigkeit. Aber Plastik verschmutzt nicht nur unseren Planeten, sondern trägt auch in erheblichem Maße zum Klimawandel bei. Nicht nur beim Herstellungsprozess entstehen Treibhausgase. Auch die Endprodukte geben gefährliche Gase wie beispielsweise Methan in die Atmosphäre ab. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht lösen sich die Treibhausgase aus dem Plastik. Umso älter es ist, desto mehr Gase werden freigesetzt. Einen ausführlichen Artikel dazu kann man auf klimareporter.de lesen. https://www.klimareporter.de/erdsystem/auch-plastik-heizt-dem-klima-ein

In meinem Beitrag zum Projekt befasse ich mich mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umgang mit Plastik. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf den kurzweilig eingesetzten Plastikprodukten, die dann durch mangelhafte Entsorgungswirtschaft in unseren Weltmeeren landen, wo sie für erhebliche Schäden an Flora und Fauna sorgen und, an der Oberfläche schwimmend, enorme Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre abgeben.